Zwoo Kaffeeröster – Zwei Freunde verfolgen ihre Vision von direkt und fair gehandeltem Kaffee

Mein Gespräch mit Tilman von Zwoo Kaffeeröster war super spannend. Wir haben nicht nur über sein eigenes Unternehmen und das interessante Konzept der Tiernamen gesprochen, sondern uns auch über Fair und Direct Trade und die aktuelle Lage in der Branche unterhalten. Das Interview enthält wie immer unbezahlte Werbung.

Tilman und Christian von Zwoo Kaffeeröster

Jules: Hi Tilman, magst du dich, deinen Partner und das Konzept von Zwoo Kaffeeröster erstmal vorstellen?

Tilman: Gerne. Ich kenne Christian schon seit der Grundschule und wir sind auch schon seither beste Freunde. Wir haben also schon früh und im Laufe der Jahre oft mit verschiedenen Ideen rumgesponnen und darüber gesprochen wie cool es wäre ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach der Schule sind wir erstmal getrennte Wege gegangen. Christian hat BWL dual studiert und ich hatte mich für Geografie entschieden, bin viel gereist und hab nebenbei als Barista gearbeitet. Dieser Nebenjob hat mich zum Kaffee geführt und mein Gedanke war damals schon: aus diesem Produkt kann man noch viel mehr machen. Also hab ich begonnen mich mit Kaffee in der Theorie zu beschäftigen und das auch in mein Studium einfließen lassen. Das ging soweit, dass meine Bachelor Thesis sogar von Kaffee handelte.

Jules: Wie spannend und wie konntest du Kaffee mit Geografie verknüpfen?

Tilman: Im ersten Moment klingt es für die meisten überhaupt nicht naheliegend diese beiden Felder miteinander zu verknüpfen, aber sobald man sich ein wenig damit beschäftigt ist es absolut einleuchtend. Die Wertschöpfungskette hat maßgeblichen Einfluss auf die Qualität des Produktes. Für die Thesis hab ich mir Guatemala als Fallbeispiel ausgesucht. Auf diese Idee hat mich mein Chef während meines Praktikums in Hamburg bei einem großen Kaffeelagerdienstleister gebracht, da er eine Zeit lang in Guatemala gelebt hatte. Über ihn bin ich weiter in die Branche eingetaucht, weil er mich noch mehr für das Thema begeisterte und mir eine Tür öffnete hin zu “Kaffee-Kontakten” in Guatemala und Deutschland.

Jules: Bist du für deine Bachelor Arbeit auch nach Guatemala gereist?

Tilman: Für die Thesis noch nicht, aber durch die Kontakte, die ich in diesem Rahmen kennen gelernt hab, bin ich im Anschluss zwei Wochen dort gewesen und konnte sehen wie vor Ort Kaffee angebaut und geerntet wird. 

Kaffeekirschen in San Pedro, Guatemala

Jules: Ich hab gesehen, dass ihr auch unter anderem Kaffee aus Guatemala im Programm habt und zwar vom Vulkan San Pedro. Das hat mich total gefreut, denn genau dort hab ich vor einem Jahr eine Coffee Tour gemacht und hatte meinen ersten Berührungspunkt mit Kaffeeproduktion.

Tilman: Ach wie cool, dass du auch genau dort warst, was für ein Zufall. Ja der Kaffee von der Kooperative ADENISA in San Pedro ist in drei unserer Röstungen drin: zu 100 % in der Giraffe und auch zu 100 % im Tucan. Das bedeutet der Rohkaffee in den beiden Sorten ist exakt derselbe, aber das Röstprofil ist ein anderes, sodass ein ganz anderer Geschmack entsteht und wir auch unterschiedliche Zubereitungen empfehlen. Außerdem steckt er noch zu 40 % im Elefanten. Das ist einer unserer Bestseller, da er den klassisch schokoladig, nussigen Geschmack bietet und auch für alle Zubereitungsmethoden geeignet ist.

Jules: Man hört es jetzt schon raus, ihr habt ein besonderes Konzept für die Namensgebung eurer Kaffeesorten entwickelt. Was verbirgt sich hinter den Tiernamen?

Tilman: Wir haben uns direkt zu Beginn eine wichtige Frage gestellt: Wie wollen wir uns von anderen Röstern abgrenzen? Durch meine Erfahrung aus anderen Röstereien ist mir folgendes aufgefallen: Sehr viele Kunden, die zum zweiten Mal Kaffee kauften, wussten nicht welchen sie zuvor hatten. Die Namen sind manchmal kompliziert oder einfach nicht gut geeignet, um in Gedächtnis zu bleiben. Unsere Tiere sorgen nun für eine Wiedererkennung bei jedem einzelnen Produkt. Außerdem sollen die Eigenschaften der Tiere die Eigenschaften des Kaffees wiederspiegeln. Zum Beispiel: Das Nashorn ist unser kräftigster Kaffee, der Tucan hingegen kommt ein wenig fruchtiger daher mit einer kakaoigen Noten im Abgang. Neu dieses Jahr kam das Chamäleon hinzu. Dies soll dafür stehen, dass der verwendete Rohkaffee bei dieser Röstung regelmäßig wechselt.

Jules: Was für ein cooles Konzept. Sprecht ihr damit auch eine bestimmte Zielgruppe an?

Tilman: Ja, die Röstungen richten sich natürlich vor allem an die Specialty Coffee Szene. Nicht ausschließlich, aber wir haben da schon einen Fokus drauf. Aus dem einfachen Grund, dass es meine Leidenschaft ist, besondere Röstungen zu kreieren. Ich trinke auch super gerne mal ein klassisches, nussiges Profil, aber ich finde es sehr spannend Kaffees zu rösten, die außergewöhnlicher sind. Damit kann man zeigen, was alles im Kaffee drin steckt und dass Kaffee eine Frucht ist und man dies auch rausschmecken kann. 

Jules: Sehr cool. Ich spring jetzt nochmal zurück an die Anfänge. Wann habt ihr eigentlich gegründet?

Tilman: Wir haben im Sommer 2019 begonnen. Im Frühjahr ging es los mit dem Konzept, den Ideen, dem Naming und nach ein paar Monaten hatten wir uns dann für die Tiere entschieden. Ein Freund brachte uns drauf, dass wir doch nun ganz klar ein Zoo seien und mit dem Namen haben wir dann auch zunächst gestartet. Allerdings hatte eine Keks-Marke den Namen für eine Keks-Reihe gesichert und leider auch Kaffee und weitere Lebensmittel in Unterkategorien mit abgedeckt. Also haben wir uns entschieden besser frühzeitig nochmal am Namen zu schrauben, als irgendwann in einen Rechtsstreit verwickelt zu werden. Und mit unserem “neuen” Namen sind wir jetzt sogar noch zufriedener, denn da steckt zum einen immer noch der Zoo drin und zum anderen sind wir beide, zwei Freunde, auch Teil des Namens.

Jules: Ja, das ist doch eine tolle Entwicklung, die sich dadurch ergeben hat. Du sagtest grade im Frühjahr habt ihr begonnen und im Sommer seid ihr schon durchgestartet. Gab es denn davor noch eine längere Vorbereitungsphase oder ging es wirklich so schnell?

Tilman: Im Prinzip war meine ganze bisherige Erfahrung die Vorbereitung: die Kontakte in der Kaffee-Szene, die Kontakte in Guatemala, meine theoretische Arbeit an dem Thema und auch praktische als Röster und Barista bildeten die Grundlage. 

Jules: Das heisst bei dem Kaffee aus Guatemala kennst du also die Kaffeebauern persönlich und kannst diesen damit als Direct Trade bezeichnen. Wie sieht das beim restlichen Rohkaffee aus?

Tilman: Direct Trade ist ja kein geschützter Begriff und wir möchten vorsichtig damit umgehen. Aber je nach Auslegung kann man auch alle anderen unserer Kaffees als Direct Trade bezeichnen. Wir beziehen diese zum Beispiel über Freunde. Unser brasilianischer Kaffee wird von zwei Freunden importiert, von denen einer in Brasilien lebt und der andere in Freiburg. Sie sind super transparent in dem was sie tun und vor allem beim Thema Preise. Ich denke Transparenz ist das Stichwort und der wichtigste Aspekt bei Direct Trade.

Jules: Wie stehst du denn generell zum Thema Fair Trade, Direct Trade und was sind deiner Meinung nach grad die Herausforderungen in der Branche?

Tilman: Ja, das ist eine spannende Frage. Es wird aktuell darüber diskutiert, die Röststeuer für fair gehandelten Kaffee zu minimieren oder komplett zu streichen. Das Problem ist nämlich, dass das Fair Trade Siegel leider nicht so fair ist wie es klingt, denn der Fair Trade Preis orientiert sich am Börsenpreis und dieser ist leider aktuell im Keller. Das heisst, dass selbst der etwas höhere Fair Trade Preis nicht genug ist, um die Kaffeebauern angemessen zu entlohnen. Direkt gehandelte Kaffees erzielen ganz andere Preise, meist das doppelte bis dreifache über dem Börsenpreis. Deswegen bin ich mir nicht sicher ob die Steuersenkung oder der Wegfall der Röststeuer für Fair Trade Kaffee der richtige Weg ist. Ich glaube, dass es gut wäre wenn mehr Röster auf den Markt kämen oder unterstützt würden, die dafür sensibilisiert sind wirklich faire Preise zu zahlen.

Jules: Danke für deine Einschätzung. Nochmal zurück zu eurem Kaffee. Warum glaubst du wird dieser gern gekauft und getrunken?

Tilman: Ich denke, dass ein gutes Produkt auf mehreren Säulen steht. Die Qualität muss stimmen, in unserem Fall: der Kaffee muss schmecken. Da zahlen sehr viele verschiedene Aspekte drauf ein. Es beginnt mit der Pflanze, dann sind natürlich Ernte, Lagerung und Transport wichtig. Anschließend kommt ein ausschlaggebender Teil des Prozess: das Rösten und letztendlich auch das Zubereiten. Als Röster seh ich mich in einer Schlüsselposition im Prozess. Ich kann auswählen welche Bohnen ich veredele und wie ich das ganze Potential aus diesen heraushole. Zudem kann ich dann noch mein Wissen an die Konsumenten weitergeben, wie sie im letzten Schritt die ganze Qualität des Produktes genießen können.

Jules: Sehr schön beschrieben und ja der letzte Schritt ist wirklich wichtig. Das merkt man täglich zu Hause.

Tilman: Genau und deswegen ist es so cool, dass wir jetzt einen Pop-up-Store in der Körnerstraße in Ehrenfeld haben. Hier haben wir die Möglichkeit unser Produkt in der Form anbieten zu können, wie wir uns das vorstellen und was nach unserer Meinung die bestmögliche Art ist es zuzubereiten.

Der kleine Pop-up-Store in Ehrenfeld

Jules: Ja, stimmt. Sehr cool. Und was sind eure Pläne fürs nächste Jahr?

Tilman: Unsere Vision ist es nicht nur in Guatemala, sondern auch in weiteren Ländern Kontakte aufzubauen und auszubauen und dann zu vertiefen. Wir möchten nicht nur das Ursprungsland oder die Region kennen, sondern wirklich wissen, welche Menschen hinter unserem Rohkaffee stehen. Dadurch können wir dann in Zukunft noch transparenter zeigen, was hinter und in unserem Produkt steckt. Im besten Fall können wir dann mit jedem Kaffee auch eine Geschichte erzählen. Diese Idee treibt uns an.

Jules: Das hört sich richtig gut an. Da freu ich mich drauf. Dann komm ich zu meiner Abschlussfrage: Welchen Kaffee trinkst du am liebsten?

Tilman: Oh, das ist eine gute Frage. Ich hab bei Essen und Trinken ein Motto: Diversity is the spice of life. Das heisst je nach Tagesform oder Uhrzeit trinke ich jeden Kaffee gern. Zum Beispiel die Giraffe oder den Elefanten als Filterkaffee, das Nashorn als Cappuccino, den Tucan als doppelten Espresso oder das Chamäleon als Flat White. Da kann und will ich mich gar nicht festlegen.

Jules: Einmal alles bitte, sehr cool 😊 Vielen lieben Dank, Tilman, für deine Zeit und die spannenden Einblicke!

Wie steht ihr zum Thema Röststeuer senken oder abschaffen für fair gehandelten Kaffee? Verratet es mir gern in den Kommentaren.

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