Hempies – Kölns erstes veganes Backmobil mit Spezialitätenkaffee und einer leidenschaftlichen Gründerin

Die 24-jährige Ronja hat nicht lange gezögert und ihre innovative Idee eines veganen Backmobils innerhalb von sechs Monaten umgesetzt. Warum dies aber nicht nur für Veganer:innen spannend ist und mit welcher Kölner Rösterei sie zusammenarbeitet, verrät sie uns im Interview. 

Jules: Hi Ronja, vielen Dank für deine Interviewzusage. Magst du dich und Hempies erstmal vorstellen?

Ronja: Na klar. Ich bin Ronja, ich bin 24 Jahre alt und ich habe letzten Sommer die Idee von Hempies gehabt. Der Name kommt von meinem Nachnamen Hemmersbach und war schon lange der Spitzname von unserer Familie. Das fand ich passend. Am 19. Januar diesen Jahres habe ich dann das erste Mal in meinem Backmobil verkauft. 

Ronja Hemmersbach, Gründerin von Hempies

Ich biete ausschließlich vegane Produkte an: belegte Brötchen, Teilchen und Schokocroissants, die ich jeden Morgen frisch mit meiner eigenen Füllung befülle. Ich lege sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit und ernähre mich selbst rein vegan. Von daher gibt es bei mir keine Fleischprodukte und auch keine Milchprodukte. Das heißt aber nicht, dass es für Leute, die sich nicht vegan ernähren, nichts dabei ist. Ganz im Gegenteil, auch für die ist es super spannend neue Produkte auszuprobieren. Ich habe aber auch Klassiker, wie Käsebrötchen oder Laugenecken mit Mayo und Käse, Laugenstangen mit Butter und Schnittlauch und so weiter – einfach alles in vegan. 

Es kommen zum Beispiel auch viele Bauarbeiter vorbei und die merken zum Beispiel gar keinen Unterschied. Im Gegenteil: Ich bekomme das Feedback, dass sie es super lecker finden. Und das ist das Prinzip von Hempies: Einfach für alle und jeden, geiles veganes Frühstück anzubieten mit direct trade Kaffee, bio-veganem Kakao und noch vielem mehr.

Jules: Richtig cool. Kann ich auch bestätigen. Ich gehöre selbst zu der Zielgruppe, die sich nicht vegan ernährt und begeistert ist, weil alles einfach lecker schmeckt. Du hast grad gesagt letztes Jahr hattest du die Idee und im Januar diesen Jahres hast du schon angefangen zu verkaufen. Wie lang war denn deine Vorlaufzeit genau?

Ronja: Ja das ist ganz lustig, denn auf meinem Profil ist ein Foto vom 01.06.20. Da hab ich mit meiner besten Freundin im Garten in der Heimat darüber gesprochen. Ich dachte mir so: Eigentlich wäre das doch ganz geil, wenn ich das machen würde, denn sowas fehlt aktuell noch. Das war das erste Mal, dass ich die Idee ausgesprochen hatte und am 19.01.21 hab ich das erste Mal verkauft.

Jules: Wow, das ist wirklich beeindruckend, wie schnell das ging. Kannst du beschreiben, was in dem halben Jahr passiert ist? Hattest du noch einen anderen Job oder studierst du noch oder hast du dich dann in der Zeit komplett darauf vorbereiten können?

Ronja: Also es wäre schön gewesen, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte. Aber ich hatte auch im Hinterkopf, falls das irgendwie doch nichts wird, hänge ich vielleicht in der Luft. Also habe ich mich entschieden mein Masterstudium parallel anzufangen. Für den Fall, dass es gut läuft war der Plan es zu pausieren. Man muss dazu sagen ich studiere in Holland und das Masterstudium geht dort nur ein Jahr. Das erste Halbjahr ist Theorie und das zweite Semester ist Praxis. Den Theorieteil habe ich also parallel zu den Vorbereitung für mein Backmobil absolviert, denn das erste Semester ging bis zum 11. Januar und wie gesagt am 19. Januar habe ich mit dem Verkauf begonnen. Du kannst dir also vorstellen, das war eine sehr stressige Zeit, da es sich auch um ein Vollzeitstudium handelt. 

Das Hempies – Ein Brötchen deiner Wahl mit selbstgemachter Paprikacreme

Zudem hatte ich null Ahnung von Business. Ich kann kochen, ich kann Rezepte erstellen, mir Sachen überlegen, das ist alles kein Problem. Aber der ganze “Business-Kram” war Neuland.

Die ersten Schritte waren dann, dass ich mich bei der IHK informiert habe. Mit denen habe ich sehr viel telefoniert um herauszufinden, was ich alles beachten und vorbereiten muss. Das ist auch mein Tipp an alle, die ähnliches vor haben: Ruft einfach an und fragt euch durch. Es gibt so viele gratis Tipps da draußen. 

Dann hab ich angefangen mir Bäckereien rauszusuchen, mich ums Logo zu kümmern, um die Arbeitskleidung und um die Internetseite. Ich hab die Website zum Beispiel auch selber gemacht. Aber damit muss man sich erst mal auseinandersetzen. Ich hatte glücklicherweise schon in einem Startup gearbeitet und kannte mich mit WordPress aus. 

Es war super aufregend alle diese Bereich neu zu entdecken und einfach erstaunlich, wie viel man in kürzester Zeit lernt. Insgesamt eine stressige Zeit, aber sehr vielfältig.

Jules: Hast du das Backmobil auch selbst umgebaut?

Ronja: Ja genau, meine Brüder haben mir dabei geholfen und im Prinzip hat mich meine ganze Familie dabei unterstützt. Das Ding war eine echte “Schrottmöhre” vorher und wir brauchten deshalb auch viele Teile, um es mechanisch wieder fit zu machen, aber das Design und die ganze Innenausstattung haben wir selbst gemacht.

Ronja in ihrem selbstumgebautem veganem Backmobil im Mediapark in Köln

Jules: Wie cool. Hast du denn vorher schon in der Gastro gearbeitet, denn du sagtest Kochen und Backen konntest du schon?

Ronja: Backen darf ich leider nicht selber, weil ich keine Bäckermeisterin bin. Von daher musste ich mir an der Stelle Lieferanten suchen und mich ein wenig durchprobieren. Das war jetzt nicht so eine schlimme Aufgabe 😉

Ich hab aber tatsächlich mal ein Schülerpraktikum in einer Konditorei in München gemacht. Da lernt man auch schon einiges zu Abläufen und Prozessen. Und ich habe drei Jahre in der Schulzeit als Aushilfe in einer Bäckerei gearbeitet.

Jules: Das heisst du hast jetzt einen festen Bäcker mit dem du zusammen arbeitest. Sind die denn auch rein vegan oder backen die für dich speziell vegane Produkte?

Ronja: Der Bäcker ist nicht rein vegan. Brötchen zum Beispiel sind aber meistens vegan. Die Teilchen oft nicht, aber immer mal wieder welche. So hab ich auch immer unterschiedliches da, probiere mich aus und lass natürlich auch gern die Kundschaft probieren. Die Schokoschnuten gibt’s immer. Hier bekomme ich vegane Croissants geliefert und befülle sie mit meiner selbstgemachten Schokofüllung

Die Schokoschnuten – vegane Schokocroissants mit selbstgemachter Füllung

Jules: Cool. Und der Belag auf deinen Brötchen ist auch von dir selbstgemacht, richtig?

Ronja: Genau, also ich mache das Pesto selber, den Mozzarella, den Linsenaufstrich, den Tofu brate ich selber an und die Mayo mache ich auch selber. Dann gibt es ja immer ein Monatsspecial wie zum Beispiel letztens den Karottenlachs oder die selbstgemachte vegane Leberwurst. Die selbstgemachten Aufstriche sind die Hempies Handschrift: frische belegte vegane Brötchen, aber nicht mit den Produkten, die man im Supermarkt kaufen kann.

Ich freu mich aber auch andere Unternehmen, wie zum Beispiel die Bäcker, zu unterstützen und denen zu zeigen, wie gut die veganen Produkte ankommen.

Jules: Und wie lange ernährst du dich selber vegan?

Ronja: Ich lebe vegan seit März letzten Jahres, also noch gar nicht so lang.

Jules: Und deswegen hast du wahrscheinlich schnell gemerkt, wie schwierig es ist außer Haus was zu finden oder?

Ronja: Genau, ich hab das zum Beispiel auf der Arbeit gemerkt, als ich als Dachdeckerin im Unternehmen von meinem Vater gearbeitet habe. Ich musste mir morgens immer was mitnehmen, ich konnte mir nie mal eben ein Brötchen besorgen. 

Am Anfang war ich natürlich auch etwas ängstlich: Was wenn die Leute fragen, wie lang ich schon vegan bin und dann denken, das sei nicht “echt” was ich mache. Aber dann hab ich die Zweifel abgelegt. Letztendlich zeigt ja der Fakt, dass ich erst seit kurzem vegan bin, aber jetzt schon ein Business damit aufbaue, wie überzeugt ich davon bin und wie wichtig mir das Thema ist.

Ich kann auch nachvollziehen, wenn es Leute vielleicht etwas stutzig macht am Anfang, aber das ist schon okay.

Jules: Absolut. Finde ich richtig gut deine Einstellung dazu. Kritik gibt es immer.

Ronja: Vorallem habe ich dadurch auch sowas wie ein Grundverständnis für Leute, die nicht vegan sind. Ich weiss genau wie schwer es ist damit anzufangen. Und ich bin auch überhaupt nicht da, um Leute zu konvertieren, sondern ich bin da, um ihnen zu ermöglichen schnell und einfach etwas Veganes zu essen zu bekommen.

Jules: Kommen wir mal zu meinem Lieblingsthema: Wie bist du denn auf Holm Kaffee gekommen? 

Ronja: Das war über Umwege. In Köln Ehrenfeld gibt es ein Coworking Space welches mir empfohlen wurde als Beratung fürs Gründerstipendium (das ich leider nicht bekommen habe) und zu der Zeit hat auch ein Kaffee Startup das Coworking Space genutzt. Das war nicht Holm Kaffee, aber so bin ich das erste Mal mit dem Thema bio und direct trade Kaffee in Berührung gekommen. Dann habe ich angefangen, mich mehr damit auseinanderzusetzen und letztendlich hat dann eine Freundin den Kontakt zu Holm hergestellt. So habe ich Philipp und Nils kennen gelernt und die beiden waren mir von Grund auf richtig sympathisch und ich finde es super mit anderen Startups zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen.

Die beiden haben mir angeboten den Kaffee so zu rösten, wie ich ihn gern hätte, mir die Kaffeelieferungen vorbeizubringen und mir einen gratis Kaffee Workshop zu geben. Ich hab nicht besonders viel Ahnung von Kaffee gehabt und bei dem Workshop habe ich dann sehr viel gelernt: was es bei Kaffee zu beachten gibt, was es genau für Kaffeesorten gibt, was wichtig ist, was guten Kaffee ausmacht und so vieles mehr. Die beiden sind einfach unfassbar nett. Sie haben mich auch bei Auswahl der Kaffeemaschine unterstützt und wenn irgendwas ist, kommen sie kurzfristig vorbei und helfen mir.

Jules: Ich würde sagen, dass haben sie super hinbekommen mit dir, deiner Röstung und deiner Kaffeemaschine. Denn ich hol mir super gerne den Kaffee bei dir, wenn ich im Büro bin und trink ihn am liebsten schwarz.

Holm Kaffee (Bild aus der Rösterei in Frechen bei Köln)

Ronja: Voll schön zu hören. Ich hab auch schon sehr viel gutes Feedback zum Kaffee bekommen, deswegen würde ich auch gar nicht mehr wechseln wollen. Viel lieber würde ich mich dahingehend weiterentwickeln und neues mit Holm ausprobieren. Es macht einfach Spaß zu wissen, dass es den Leuten schmeckt.

Jules: Das kann ich mir vorstellen. Kommen wir nochmal zurück zu deinem Backmobil. Du stehst da ja nicht allein da drin. Wie groß ist denn dein Team und wer übernimmt da welche Aufgaben?

Ronja: Ich hab bisher mit verschiedenen Freelancern gearbeitet und seit kurzem habe ich meine erste feste Mitarbeiterin, die Kathi. Wir verstehen uns sehr gut und sie ist super fleißig. Außerdem bin ich aktuell auch in einer neuen Bewerbungsrunde und werde nach unserem Interview ein paar Einladungen zum Probearbeiten versenden. Das Team wächst und ich habe große Pläne für Hempies. 

Jules: Und rückst du damit schon raus, was die Pläne sind?

Ronja: Also auf jeden Fall möchte ich ein zweites Backmobil an einem weiteren Standort platzieren. Dann wäre eine eigene große Küche mit Verkaufsort auch richtig schön. Das ist aber noch nicht spruchreif. Meine Vision ist es ganz klar den Veganismus zu verbreiten und zu vereinfachen. Deswegen wusste ich von Beginn an: ein Backmobil ist der Anfang, aber auf jeden Fall nicht das Ende. Mir geht’s bei dem Wachstum aber nicht darum immer mehr Profit zu machen. Natürlich möchte ich davon leben können und dass die Leute, die bei mir arbeiten, auch gut und zuverlässig bezahlt werden können, aber ich möchte vor allem die Begeisterung, die ich für den Veganismus empfinde, verbreiten. Sodass jeder merkt: Wow, so kann es auch gehen. Und genau das erreiche ich nicht mit einem Backmobil, sondern dafür braucht es eine ganze Flotte.

Jules: Wie schön die Idee einer ganzen Flotte: Hast du denn schon Stellplätze ins Auge gefasst? 

Ronja: Ja, wir werden im Juni eine Probewoche an den Kranhäusern im Rheinauhafen machen und schauen wie es läuft. (Anmerkung: Das Interview wurde im Mai aufgenommen).

Ronja in action 😉

Jules: Da sind ja auch einige Büros. Dies Idee ist wahrscheinlich sich dort zu platzieren, wo Leute arbeiten gehen und sich noch ein Frühstück to go holen möchten.

Ronja: Ja genau und da ist auch eine Universität. Außerdem kann man es gut aus der Südstadt erreichen. Die Ehrenfelder hingegen können leicht zum Mediapark kommen. So sind wir gut aufgestellt, um den Leuten die Wege zu verkürzen. Es gibt welche, die setzen sich eine halbe Stunde auf’s Fahrrad, um zu mir zu kommen. 

Jules: Wow. Das ist aber auch ein tolles Feedback. Du hast grad erwähnt du möchtest auch gern eine eigene Küche mit Verkaufsfläche haben. Wie kochst du aktuell?

Ronja: Aktuell bereite ich alles in einer Mietküche vor, aber ich bekomme bald einen Küchencontainer, der auf einem Firmengelände stehen darf. Dort kann ich dann Leute einarbeiten und sie auch vor Ort alleine arbeiten lassen. Außerdem kann von da aus die Produktion größer werden. Wir würden auch super gern einen Lieferdienst anbieten und dafür braucht man einfach Platz.

Jules: Sehr cool. Total inspirierend zu hören, wie du von diesen vielen großen Plänen sprichst. Und ich bin überzeugt davon, wenn wir Ende des Jahres nochmal sprechen, mindestens die Hälfte davon schon umgesetzt ist.

Ronja: Ja, es motiviert aber auch einfach so tolles Feedback zu bekommen, wie zum Beispiel von dir, die mich kontaktiert hat, um mehr zu erfahren. Das ist für mich einfach so großer Zuspruch, wenn die Leute Interesse haben und mehr wissen möchten.

Jules: Ronja, vielen lieben Dank für dieses tolle Interview. Es hat riesen Spaß gemacht mit dir zu sprechen. Möchtest du gern noch was abschließendes sagen?

Ronja: Mir ist wichtig, dass Hempies, als veganes Backmobil, nie mit erhobenem Zeigefinger gesehen wird, sondern dass es so rüberkommt wie es ist: simpel, spontan, authentisch. Es ist nicht perfekt, genau wie ich. Aber es entwickelt sich immer weiter und die Hauptsache ist, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Aber gerne mit ein bisschen Humor.

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