Vom Americano bis zum Torrefacto Rösten – Kaffeekultur in Südwest Europa

Cappuccino and Flat White to go

Die Kaffeekulturreise geht weiter und als nächstes nehme ich euch mit nach Südwesteuropa. Mit dabei ist natürlich das Kaffeeland schlechthin – Italien. Zu welcher Tageszeit ihr dort einen Cappuccino bestellen solltet und wann lieber nicht, das erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest. Außerdem verrate ich euch, in welchem Land Bica getrunken wird und was das eigentlich genau ist. Die Kaffeekultur in Italien, Frankreich, Spanien und Portugal ist nämlich vielfältiger, als man denkt.

Italien

Lasst uns mit einem Land beginnen, das einfach jeder mit Kaffee verbindet. Was die meisten nach einigen Italien-Reisen mittlerweile auch wissen, ist, dass der Espresso das Kaffee-Standardformat ist und genau dieser auch serviert wird, wenn man einen „caffè“ bestellt. Wer gerne etwas trinken möchte, dass mehr dem hierzulande beliebten Filterkaffee gleicht, sollte nach einem „Americano“ oder „Lungo“ fragen. Hierbei wird der Espresso mit heißem Wasser gestreckt.

Cappuccino trinken die Italiener:innen zum Frühstück. Kaffeespezialitäten mit Milch gelten als sättigend und sind deshalb gut zum Start in den Tag geeignet. Wenn man sich nach dem Mittag – oder Abendessen einen Cappuccino bestellen möchte, wird man deshalb höchstwahrscheinlich etwas verwirrt angeschaut. Zu dieser Gelegenheit trinken Italiener:innen Espresso. Wie aber auch eigentlich fast zu jeder anderen Gelegenheit oder Tageszeit auch.

Viele kennen das Gerücht, dass ein Espresso in Italien nur 1 € kosten darf. Das stimmt nicht, trifft aber auf die meisten Espresso-Bars zu. Das liegt daran, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts einen Erlass gab, der besagte, dass Kaffee für alle erschwinglich gemacht werden muss. Seither einigen sich die Kommunen auf einen allgemeinen Espresso-Preis. Dieser liegt oft bei 1 €, wobei es zwischen Nord- und Süditalien Unterschiede gibt. Ein weiterer Faktor, der den Preis beeinflusst ist, wie man seinen Kaffee trinkt. Im Stehen an der Bar ist dieser nämlich deutlich günstiger, als wenn man sich hinsetzt. Hier kann ein bis zu drei Mal so hoher Aufschlag hinzukommen.

Espresso italiano
Ein klassisch italienischer Espresso.

Frankreich

Ein paar der italienischen Kaffee-Gewohnheiten lassen sich auch direkt auf Frankreich übertragen. So bekommt man beim Bestellen eines „café“ auch in Frankreich eine kleine Tasse mit sehr starkem schwarzem Kaffee serviert. Für eine größere Menge sollte man hier einen „Allongé“ oder „Americain“ wählen – also jeweils das Pendant zum italienischen „Americano“ oder „Lungo“.

Genauso verhält es sich mit dem Gegenstück zum Cappuccino. In Frankreich wird nämlich zum Frühstück sehr gern ein Café au lait getrunken. Dieser wird klassischerweise von einem Croissant oder Baguette mit Marmelade begleitet. Ansonsten bekommt man aber in Frankreich zu seinem Kaffee keine Süßspeisen serviert. Ein französisches Café hat in der Regel keinen Kuchen auf seiner Menükarte, sondern bietet Sandwiches oder andere herzhafte Snacks an. Wer sich aber die tollen Back- und Konditor-Künste in Frankreich nicht entgehen lassen möchte, sollte einen Salon de Thé besuchen. Hier bekommt man nämlich nicht nur Tee, sondern auch Kaffee.

Und dann wäre da noch die berühmte French Press. Ja, diese Zubereitungsart kommt wirklich aus Frankreich. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts erfunden und erfreut sich auch heute immer noch großer Beliebtheit. Das liegt vor allem daran, dass sie keine weiteren Hilfsmittel wie z.B. Filterpapier benötigt und sehr benutzerfreundlich ist. Wie die Zubereitung mit der French Press funktioniert, habe ich unter anderem in diesem Beitrag für dich zusammengefasst.

Einen Café au lait und leckere Törtchen bekommt ihr in Frankreich in einem Salon de thé.

Spanien

Wenn man sich zur Kaffeekultur in Spanien informieren will, findet man sehr schnell zwei wesentliche Dinge heraus. Zum einen besteht ein Frühstück für viele Spanier:innen nur aus einem Kaffee und zum anderen gibt es das Getränk auf der iberischen Halbinsel in sehr vielen Variationen. Eine der bekanntesten davon ist sicherlich der Cortado. Hierbei handelt es sich um einen Espresso mit einem Schuss Milch. Er ähnelt dem italienischen Espresso Macchiato, also einem Espresso mit einer kleinen Milchschaumkrone. In Spanien wird Kaffee auch gerne mit Alkohol gemixt. So ist der Carajillo auf viele Menükarten des Landes zu finden. Wenn ihr diesen bestellt, serviert man euch einen Espresso mit einem Schuss Brandy oder Rum.

Außerdem unterscheidet sich auch das Röstverfahren in Spanien sehr stark von all seinen europäischen Nachbarn. Es werden Robusta Bohnen bevorzugt, die nicht nur mehr Koffein enthalten, sondern auch intensiver im Geschmack sind. Um dem Kaffee seine Bitterkeit zu nehmen, wird beim klassischen Torrefacto Röstverfahren Zucker hinzugegeben. Die Kaffeebohnen karamellisieren und die Röstung gewinnt an Süße.

Ein Kaffee zum Mitnehmen ist in Südwest Europa unüblich. Hier wird sich für jede Tasse Kaffee Zeit genommen.

Portugal

Schauen wir abschließend noch auf Portugal. Hier findet man einige der bisher genannten kulturellen Merkmale wieder. Beim Blick auf den Namen des beliebtesten portugiesischen Kaffee-Getränks würde man dies allerdings nicht vermuten. In Portugal trinkt man nämlich „Bica“. Ein Wort, das ganz offensichtlich nichts mit „Kaffee“ oder „Espresso“ zu tun hat. Bica steht nämlich für „Beba Isto Com Açúcar“ – „Trink dies mit Zucker“. Und jetzt könnt ihr euch auch schon denken, worum es geht: einen kleinen starken schwarzen Kaffee – auch Espresso genannt.

Auch für die anderen Kaffeespezialitäten haben die Portugies:innen nicht einfach die Namen ihrer Nachbarn übernommen, sondern eigene entwickelt. So entspricht ein Galão dem italienischen Latte Macchiato. Wenn man einen Pingado bestellt, bekommt eine Variante des spanischen Cortado. Und wer etwas dazwischen haben möchte, eine Art Milchkaffee oder Cappuccino sollte Meia de leite wählen.

Auch wenn dieses Bild in Griechenland aufgenommen wurde – so ähnlich könnte auch ein Meia de leite in Portugal aussehen.

Sehr ähnlich mit kleinen, aber feinen Unterschieden kann man zusammenfassend über die Kaffeekultur in Europas Südwesten sagen. Welche Erfahrungen habt ihr mit Kaffeespezialitäten in diesen Ländern gemacht?

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