Ein wertvoller Kaffee für alle Beteiligten

Bei mehrwert kaffee ist der Name Programm. Die junge Kaffee-Marke aus dem Bergischen Land importiert und röstet kenianischen Kaffee. Dabei unterstützt sie die Menschen vor Ort auf ganz besondere Weise. Was genau dahinter steckt, hat mir Geschätsführer Chris im Interview verraten.

Jules: Hallo Chris, freut mich, dass es mit dem Interview klappt. Kannst du vielleicht in ein paar Sätzen mehrwert kaffee vorstellen? Was macht ihr genau? Was ist euer Konzept?

Chris: mehrwert kaffee ist eine Brand, die für nachhaltigen Import und direkten Handel steht. Wir haben ein soziales Projekt in Kenia, das wir stark unterstützen können durch das Rösten und Importieren von Kaffee. Dementsprechend sind wir nicht nur ein Röster oder ein Händler, sondern wir haben die Kette von der Kirsche bis in die Tasse komplett selbst im Blick. Und weil wir auch oft vor Ort in Kenia sind, können wir sagen, dass das Geld und die Unterstützung dort zu 100 % ankommen.

Jules: Wie oft seid ihr vor Ort?

Chris: Einmal im Jahr mindestens. Ich persönlich war seit 2016 jährlich da. Wir sind vor allem dort um das sozial-diakonische Projekt zu unterstützen, welches quasi das zu Hause und den Ursprung von mehrwert kaffee bildet. Insgesamt sind wir in einer Region unterwegs, die etwa so groß ist wie das Saarland. Dort arbeiten wir mit unterschiedlichen Farmern zusammen, deren Kaffee wir dann importieren.

Chris zu Besuch in Kenia / Fotograf: Michael P. Pfeiffer

Jules: Wie groß ist euer Team?

Chris: Wir sind nur eine handvoll Leute im Team, aber werden darüber hinaus noch ehrenamtlich von vielen Leuten unterstützt, die die Vision mittragen und die das Projekt unterstützen.

Jules: Du hast grad gesagt das Projekt ist sozial-diakonisch, was bedeutet das genau?

Chris: Das Projekt nennt sich crossroads und mein Großvater hat es 2005 mitgegründet. Dort wird Jugendlichen, die keinen Zugang zu Bildung haben eine schulische und / oder berufliche Ausbildung ermöglicht.

Die Idee dahinter ist, dass man Jugendlichen eine Perspektive bietet. Das funktioniert zum einen indem man Zugang zur Bildung schafft. Die berufliche Ausbildung ist der Wiedereinstieg in die Gesellschaft. Nach, zum Beispiel, einem Aufenthalt in einer Jugendvollzugsanstalt stehen die meisten Jugendlichen vor den Fragen: „Was mach ich jetzt? Wer will mich noch? Ich war im Gefängnis – was ist überhaupt noch drin für mich?“

Viele landen dann wieder auf der Straße, weil sie auch in der Familie zum Teil nicht mehr angenommen werden.

Von daher stellt das Projekt auch ein neues Zuhause für die Jugendlichen dar. Wir schaffen ein familiäres Umfeld. Das heisst auf der Farm gibt es eine Familie in der die Jugendlichen wohnen. Darüber hinaus brauchen die jungen Menschen natürlich auch Hoffnung und Heilung für die Seele. Da es ein christliches Projekt ist, werden diese Themen mit angegangen und Input für alle Lebenslagen gegeben.

Kaffeebäume zu pflanzen ist hier mehr als nur ein Job/ Fotograf: André Platte

Jules: Sehr cool, also ist es viel mehr als die Möglichkeit nach einem Gefängnisaufenthalt einen Arbeitsplatz zu bekommen: Es ist die Chance sein ganzes Leben wieder neu aufzubauen.

Und seit wann gibt es mehrwert kaffee?

Chris: Wir haben 2017 gegründet und diese Gründung ist aus der Initiative von crossroads entstanden. Wir wurden gefragt ob wir den Kaffee aus dem Projekt nicht in Deutschland verkaufen wollen. 

Dadurch, dass wir die Situation vor Ort von Anfang an gut kannten und uns auch Dinge bewusst waren, wie zum Beispiel, dass eine Ernte darüber entscheidet, ob ein Kind zur Schule gehen kann oder nicht, war es uns ein wichtiges Anliegen faire Preise zu bezahlen. Wir haben uns als Ziel gesetzt mindestens 30 % über dem Weltmarktpreis zu zahlen. Dieses Jahr haben wir das doppelte vom Fair Trade Preis gezahlt. Dadurch, dass wir regelmäßig vor Ort sind, haben wir eine echte Beziehung zu unseren Farmern. Wir bringen ihnen auch den gerösteten Kaffee wieder mit, um ihnen aufzuzeigen was aus ihrem Produkt geworden ist und welchen Wert es hat. Darüber hinaus besteht einfach eine langfristige Beziehung durch das Projekt crossroads.

Jules: Richtig schön. Wirklich sehr cool. Dadurch kennt ihr wahrscheinlich auch sehr viele Leute mittlerweile vor Ort. Kannst du sagen wie viele Menschen ihr durch eure Arbeit unterstützt?

Chris: Wir haben über 20 Jugendlichen die Möglichkeit gegeben eine berufliche Ausbildung zu machen. Darüber hinaus hat sich natürlich durch das Projekt ein Netzwerk vor Ort gebildet, das mittlerweile auch politisch in Kenia Gehör findet und das möchten wir weiter ausbauen.

Wie viele Leute wir da insgesamt erreichen, ist schwer zu sagen. Bei einer Kooperativen liefern zum Beispiel 1200 Farmer an, bei der anderen 125. Neben den Kooperativen arbeiten wir auch noch mit einzelnen Farmern zusammen. Von daher ist das eine ganze Bandbreite von Leuten mit denen wir in Kontakt sind.

Jules: Um nochmal auf das Thema Bezahlung zurück zu kommen und die eben genannten Stichworte Fair Trade und Direct Trade. Gibt es da allgemeingültige Definitionen oder wie definiert ihr das für euch?

Chris: Ja, ein spannendes Thema. Also Fair Trade ist ja zunächst mal eine Zertifizierung. Diese Zertifizierung muss man bezahlen und die Idee dahinter ist ein sanktionierendes Geschäft und kein subventionierendes Geschäft. Das heisst, was der Konsument letztendlich im Laden zahlt ist, dass sich jeder in der Lieferkette hat zertifizieren lassen und dadurch liegt der Preis über dem Weltmarktpreis, aber nur ein ganz kleiner Teil davon kann beim Farmer landen.

Um das zu vergleichen: Der Mindestpreis pro 100 Pfund Rohkaffee liegt bei 140 US Dollar für Fair Trade und wir zahlen über 300 US Dollar. Dazu muss man sagen, dass kenianischer Kaffee von seiner Qualität her ein sehr hochwertiger ist und auch sonst auf dem Weltmarkt als einer der besten und teuersten gehandelt wird. 

Kaffee – ein besonderes Gut, dass nicht immer so gehandelt wird / Fotograf: André Platte

Ich denke, der Begriff Fair Trade hat in einem großen Teil der Gesellschaft den Gedanken angestoßen, dass man nachhaltiger konsumieren soll, aber er erfüllt nicht die Anforderung, dass letztendlich mehr Geld beim Farmer ankommt.

Also kurz gesagt: Durch den direkten Handel hat man einfach die Möglichkeit sicherzustellen, dass das Geld beim Kaffeebauern ankommt und echte partnerschaftliche Beziehungen herzustellen. 

Mit dem Fair Trade Siegel kann man sich das Vertrauen der Konsumenten erkaufen, aber wir glauben Vertrauen kann vor allem durch Transparenz geschaffen werden. Deswegen geben wir alle Preise, die wir in Kenia zahlen, öffentlich auf unserer Website an.

Jules: Spannend, denn ich habe auch den Eindruck, dass es einen Trend in diese Richtung gibt. Für manche kommt das Fair Trade Siegel ja auf Grund der Kosten nicht in Frage und dann ist es natürlich klasse, dass es hier eine Alternative gibt.

Chris: Genau und Vertrauen ist hierbei einfach ein sehr wichtiger Aspekt. Der Konsument muss sich dann zwar mehr mit dem Produkt beschäftigen, aber ich denke unsere Gesellschaft ist langsam aber sicher da angekommen und Nachhaltigkeit hat mittlerweile einen sehr hohen Stellenwert. Meine Vision ist es, dass irgendwann, vielleicht in 5 bis 10 Jahren, es gar keine Produkte mehr gibt, die nicht einen sozialen Aspekt mit sich bringen und dass direkt gehandelter Kaffee zum Standard wird.

Jules: Das wäre wirklich ganz große Klasse! Kannst du noch mehr dazu sagen, wie eure Pläne für die Zukunft konkret aussehen? 

Chris: Aktuell sind wir in einer Phase, wo wir einfach sehr dankbar sind für die Entwicklung. Wir werden in naher Zukunft ein Lager anmieten, um mehrwert kaffee mehr Raum zum Wachstum geben. Wir haben ganz klein gestartet im Wohnzimmer unserer Eltern und sind jetzt an dem Punkt, dass wir weiter ausbauen können sowohl mit Espresso-, Vollautomaten- als auch Filterkaffeevarianten.

Außerdem haben wir in Bezug auf crossroads grad ein neues Modell etabliert. Wir spenden nun einen Euro pro Kilo Kaffee. Damit können wir noch mehr Projekte unterstützen, die weit über das Pflanzen eines Kaffeebaums hinaus gehen. Zum Beispiel kann man mit 35 Kilo Kaffee einen Monat schulische Ausbildung für einen Jugendlichen finanzieren.

Deswegen möchten wir grad den Firmenkundenbereich, wo wir aktuell den größten Hebel sehen, weiter ausbauen. Hier können wir uns sehr gut Kooperationen vorstellen. 

Chris‘ Lieblingskaffee / Fotografin: Magdalena Maria Stengel

Jules: Sehr cool. Ich hatte gesehen, ihr seid auch im Café Goldjunge vertreten. Wie sieht eure Kooperation hier aus?

Chris: Die Standorte Mediapark und Nippes beziehen ihren Kaffee komplett über uns. Das ist für uns natürlich eine schöne Sache, denn das sind unsere Multiplikatoren. Und wir haben auch Interesse daran weiter im hochwertigen Segment Cafés dazu zu gewinnen. So kann dann die Geschichte von crossroads und unseren Farmern weitererzählt werden. Das Café passt super zu uns, da es auch sonst hochwertige Produkte, zum Großteil bio und aus der Region, verwendet.

Wir haben auch mit weiteren Cafés coole Projekte am Start und werden das Thema weiter ausbauen, hier im Kölner Raum und im Bergischen.

Jules: Sehr, sehr cool. Dann bin ich auch schon bei meiner letzten Frage: Welcher ist dein Lieblingskaffee und wie trinkst du ihn am liebsten?

Chris: Mein Lieblingskaffee ist unser Kushukuru und ich trink ihn am liebsten als V60 Filter.

Jules: Vielen lieben Dank für das Interview, Chris! 

Wie immer handelt es sich um unbeauftragte und unbezahlte Werbung. Ich finde das Konzept super und freu mich darüber schreiben zu können. Wie fandet ihr das Interview? Hinterlasst mir gern einen Kommentar.

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