Kaffee und Recycling – ein unschlagbares Team

Plastic2Beans - Kaffee in Mehrwegflaschen

Plastic2Beans macht nachhaltigen Handel und Entwicklungsarbeit im Bereich Kunststoffrecycling und Kaffee. Wenn ihr jetzt erstmal Fragezeichen in den Augen habt und euch diese Aussage etwas verwirrt, kann ich das total verstehen. Dass nachhaltiger Handel und Entwicklungsarbeit sehr gut zusammenspielen können, wissen wir, aber wie Kunststoffrecycling und Kaffee miteinander verknüpfbar sind, das hat mir Plastic2beans Gründer Kalie im Interview genauer erklärt.

Alles begann im Schwimmbad

Es fing an mit einer Begegnung im Schwimmbad. Über ihre Kinder haben sich Kalie und Abiye dort kennengelernt und hatten direkt zwei Dinge gemeinsam. Zum einen den ähnlichen beruflichen Hintergrund – Kalie ist Polymerchemiker und Abiye Kunststofftechniker – und zum anderen das Gefühl, etwas Sinnstiftendes machen zu wollen. Auch inspiriert durch die Geburt ihrer Kinder hatten beide angefangen, sich intensiver mit Themen im Bereich Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. 

Dann kam Abiyes Herkunftsland Äthiopien ins Spiel. Er kannte bereits die spannende Situation vor Ort, nämlich dass das Land eines der am schnellsten wirtschaftlich wachsenden weltweit ist, aber der Recyclingsektor nicht entsprechend mitwächst. Durch eine Analyse der gesamten Recyclingindustrie Äthiopiens und dazugehörigen Machbarkeitsstudien haben die beiden Projekte herausgearbeitet, die zu einer Verbesserung der Situation vor Ort beitragen können.

Kalie und Abiye von Plastic2Beans
Kalie und Abiye sind die Gründer von Plastic2Beans.

Die Recycling Situation in Äthiopien

So weit die Theorie. Damit das Ganze für mich greifbarer wurde, hat Kalie es mir einmal am Beispiel von PET Flaschen erklärt. Um recyceln zu können, braucht man ausreichend Material in einer ähnlichen Qualität. Mit PET Flaschen wird dies also bereits schon zum Teil vor Ort gemacht. Die Einkommensschwächsten der Bevölkerung sammeln die Flaschen und verkaufen sie dann für wenig Geld. So gelangen sie in den noch schlecht ausgebauten Recyclingprozess. Durch Wissens- und Technologietransfer kann dieser Prozess deutlich verbessert werden und genau dies wird durch die verschiedenen Projekte von Plastic2Beans möglich gemacht.

Ziel des Kölner Start-ups ist es, den Lebensstandard in Äthiopien zu verbessern und gleichzeitig ökologisch zu handeln, um CO2 Emissionen zu reduzieren. Dafür haben sie eigene Projekte ins Leben gerufen und arbeiten auch mit NGOs wie zum Beispiel Petco Ethiopia vor Ort zusammen. Aber auch mit der äthiopischen Regierung ist Plastic2Beans bereits in Kontakt. Insbesondere natürlich mit dem Umweltministerium wird ein reger Austausch gesucht und hier konnten auch schon große Erfolge verzeichnet werden. Der Hinweis darauf, dass farbige PET Flaschen für den Recyclingprozess besonders schwierig sind, hat dazu geführt, dass es in Äthiopien ab 2023 keine farbigen PET Flaschen mehr geben soll. Ein riesiger Impact, der in diesem Fall allein durch die Analysen und die Aufklärungsarbeit von Kalie und Abiye möglich gemacht wurde. 

Kunststoffrecycling in Äthiopien
Da farbige PET Flaschen für den Recyclingprozess besonders schwierig sind, wird es sie ab 2023 in Äthiopien nicht mehr geben.

Und wie kommt jetzt der Kaffee ins Spiel?

Der Wissens- und Technologietransfer sowie der Ausbau der Projekte in der Recyclingindustrie kostet natürlich Geld. An dieser Stelle kam die zweite Komponente des Geschäftsmodells des Start-ups ins Spiel. Eine Herausforderung in Äthiopien ist nämlich, dass es zu wenig Fremdwährung gibt. Also wurden Kalie und Abiye in äthiopischen Birr bezahlt. Ein Umtausch machte in diesem Fall keinen Sinn und so kam Abiye auf eine einfache, aber geniale Idee: Das äthiopische Geld nutzen, um Bio-Kaffee von der lokalen Bevölkerung zu fairen Preisen einzukaufen. Plastic2Beans war geboren. 

Dadurch ist nicht nur die Finanzierung gesichert, sondern es wird auch an weiterer Stelle Einfluss auf die Verbesserung des Lebensstandards in Äthiopien genommen. Wie üblich im Bereich Direct Trade bezahlt Plastic2Beans beim Rohkaffeeeinkauf das 1,5 bis 3-fache des Börsenpreises.

Vom Rohkaffee bis zur gerösteten Bohne werden die Werte gelebt

In der Gründungsphase war das Start-up auf der Suche nach einer Rösterei, die ihre Werte teilt. Die Wahl fiel dann auf Mondo del Caffe, eine Rösterei aus Trier mit Produktionsstätte in Luxemburg und gleichzeitig Mitbegründer der deutschen Röstergilde. Mondo hat jahrelang Erfahrung in direktem Handel und auch Entwicklungsarbeit in Kolumbien gemacht. Außerdem passte es zwischenmenschlich gut zwischen Mondo und Plastic2Beans. Die Rösterei verstand von Beginn an, welche Vision Kalie und Abiye verfolgen und was man damit alles erreichen kann. 

Der Rohkaffee wird bei verschiedenen Kooperativen in Äthiopien eingekauft. Zum Teil bei bereits bekannten Kontakten der Rösterei und zum Teil neue Kooperativen, die Plastic2Beans selber angesprochen hat. Seit Kurzem gehört auch eine frauengeführte Kooperative dazu, die den Rohkaffee für die neueste Röstung liefert. Es handelt sich hierbei um einen sonnengetrockneten, hell gerösteten, fruchtigen Filterkaffee, welcher bereits im Café genossen werden kann und auch bald Einzug in den Onlineshop, Einzelhandel und die Büros halten wird. Äthiopische Kaffees sind generell sehr fruchtig. Die bisherigen Röstungen von Plastic2Beans wurden aber bewusst etwas milder gehalten, um erstmal den “durchschnittlichen deutschen” Geschmack zu treffen. Aktuell hat Plastic2Beans vier verschiedene Röstungen im Sortiment. Die Espresso Blends werden mit Robusta Bohnen aus Indien ergänzt. 

Kaffee zum Nachfüllen im Impact Café Köln
Im Impact Café in Köln Sülz könnt ihr den Kaffee in Mehrwegpfandflaschen kaufen.

Kalie hat mir im Gespräch auch verraten, dass sie sich in der Anfangsphase, also im Gründungsjahr 2018, erstmal natürlich viel auf den Bereich Kunststoffrecycling konzentriert hatten und dann ab 2019 anfingen, sich mit der Idee auseinanderzusetzen, ihren Kaffee für Büros anzubieten. Im Gegensatz zu heute war Bürokaffee als Corporate Social Responsibility Maßnahme damals noch nicht so verbreitet. So konnten sie schnell in dem Bereich Erfolge erzielen und ihren Kaffee unter anderem bei Henkel platzieren. 

Im Impact Café in Köln Sülz kann man “schlürfen for a better world”

2019 ging es spannend weiter für Plastic2Beans. Als ersten Test, wie ein Café sich in das Geschäftsmodell einfügen könnte, öffneten sie für drei Wochen ein Pop-up-Café gemeinsam mit der Zero-Waste-Community Köln. So wurde der Kaffee auch direkt in der passenden Zielgruppe bekannt gemacht. Kalie verriet mir, dass das für ihn auch ein proof of concept war, wenn diese Community das Produkt und natürlich auch die Idee dahinter für gut befand. Und so war es auch. Die drei Wochen Café-Betrieb inkl. Veranstaltungen und Workshops zu nachhaltigen Themen liefen wunderbar. 

Kurz darauf hat Plastic2Beans das Lokal übernommen. Etwas ausgebremst durch die Pandemie gab es zunächst aber nur den Fensterverkauf. Am 01.06.2021 wurde dann offiziell Eröffnung gefeiert. Im Impact Café bekommt ihr nun fast ausschließlich vegane und ein paar vegetarische Speisen. Ich durfte den Keesekuchen probieren und war total begeistert. Ich hab mir keine Gedanken darum gemacht, ob er vegan ist oder nicht und es erst im Nachhinein realisiert. Erschmeckt habe ich es nicht, es war einfach ein richtig cremiger, leckerer Käsekuchen mit einem Schuss Zitrone. Generell gibt es im Impact Café Frühstück, Kuchen und wechselnde Tagesgerichte. So wird bei Gelegenheit auch zum Beispiel äthiopisches Injera serviert. Erweitert wird das Ganze durch verschiedene Veranstaltungen wie zum Beispiel die Green Cuisine Cologne. Eine Eventreihe, bei der im Impact Café die vegane und vegetarische Küche gefeiert wird. Einmal im Monat wird ein/e Kölner Gastkoch / Gastköchin eingeladen und zaubert ein Menü für die Gäste, die vorab Tickets ergattern konnten.

Speisekarte von Impact Café Köln Sülz
Das Café von Plastic2Beans bietet vegetarische und vegane Gerichte zum Frühstück und Mittag an.

Wie geht’s weiter mit Plastic2Beans?

Das Kölner Start-up blickt bereits jetzt auf große Erfolge und eine tolle Unternehmensgeschichte zurück – von der Gründungsidee bis hin zum eigenen Café. Ein Ort, an dem alle Aspekte und Werte des Unternehmens zusammenlaufen und gelebt werden. Was kommt also als nächstes habe ich Kalie natürlich in unserem Interview gefragt: “Wir starten jetzt durch mit dem Bereich Lebensmitteleinzelhandel. Das heisst wir gehen bei REWE und EDEKA in die Listungsprozesse. Wir sind schon bei einigen REWE Märkten gelistet und sobald wir die regionale Listung haben, können wir in deutlich mehr Märkte einsteigen.“ 

Zum Schluss haben wir noch kurz über Kaffeehandel im Allgemeinen gesprochen. Mein Wunsch, dass konventioneller Kaffee im aktuellen Sinne gar nicht mehr angeboten wird, ist kein Geheimnis. Auch Kalie war natürlich der Meinung, dass Fair Trade der Standard sein sollte und Direct Trade im Bereich Spezialitätenkaffee am meisten Sinn macht. Der gesamte Kaffeebedarf kann aber natürlich nicht mit Speciality Coffee gedeckt werden. Insgesamt entwickelt sich der Markt aber gut und wächst aktuell mit ca. 12%

Das Interview mit Plastic2Beans hat mir und jetzt bestimmt auch euch aufgezeigt, wie man mit Kreativität und dem Mut, groß zu denken, ein Konzept entwickeln kann, dass mit der Hilfe von Kaffee einen riesigen Impact auf Menschen und die Umwelt hat. 

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