Die drei Wellen der Kaffeekultur

Drei Wellen? Bei Kaffee? Hab ich das richtig verstanden oder liegt das an der Sprachbarriere? Das waren meine Gedanken als ich das erste Mal davon gehört habe. Welche Sprachbarriere fragst du dich jetzt wahrscheinlich. 

Dazu muss ich einmal ein ganz klein bisschen ausholen. 2016 hab ich ein halbes Jahr in Montréal, Kanada gelebt und unter anderem mit einer Französin in einer WG gewohnt. Marina habe ich bei einer Veranstaltungen für Work-and-Traveller und andere Neulinge in Kanada kennen gelernt. Wir sind fast zeitgleich in der Stadt angekommen, nur dass sie bereits eine WG gefunden hatte und dort noch ein Zimmer frei war. Zu dem Zeitpunkt waren wir auch beide auf der Suche nach einem Job in einem Café (mehr dazu findest du übrigens hier).

Sie erzählte mir, dass sie am liebsten in einem “Café de la troisième vague” oder auf englisch “third wave coffee shop” arbeiten wolle. Damals sagte mir das noch gar nichts und sie erklärte mir dann grob die drei Wellen der Kaffeekultur.

Ein spannendes Thema wie ich finde und so hab ich es zum Anlass genommen für diesen Blogbeitrag nochmal genauer zu recherchieren und für uns die wichtigsten Fakten zusammen zu schreiben. 

Wenn wir also mittlerweile schon bei der dritten Welle angekommen sind, muss es ja auch eine erste und zweite Welle in der Kaffeekultur gegeben haben oder? Richtig –  gab es! 

Erste Welle

Als erste Welle bezeichnet man die Zeit als Kaffee für die breite Masse zugänglich wurde. Zunächst als teures Gut, den Wohlhabenden vorbehalten, wurde Kaffee dann ab den 30er Jahren zur Massenware. Der ursprüngliche Luxusartikel war nun für alle verfügbar und erschwinglich. Die klassische, praktische, rechteckige Verpackung, wie wir sie kennen, wurde geboren. Man kann es sich schon fast denken, die Produktion von großen Mengen geht meistens zu Lasten der Qualität. So auch damals.

Klassischer Filterkaffee lässt sich besonders platzsparend transportieren und verkaufen

Zweite Welle

Die Rückbesinnung auf Qualität brachten die 60er Jahre mit sich. In diesem Zusammenhang wird auf die Gründung der berühmten Kaffeeketten Peet’s Coffee in Berkeley (1966) und Starbucks in Seattle (1971) aufmerksam gemacht. Sie legten den Grundstein für die zweite Welle. Diese war aber nicht nur vom Thema Qualität der Bohnen und Zubereitung geprägt, sondern revolutionierte auch den Kaffeemarkt durch das to-go-Geschäft und neuartige Kreationen des Getränks in Verbindung mit Sahne, Sirup und Aromen

Coffee to go mit Plastikdeckel – typisch für die zweite Welle, aber heute nicht mehr gern gesehen

Dritte Welle

Seit den 90er Jahren befinden wir uns jetzt in der dritten Welle. In den USA gestartet, hat sie ein paar Jahre später auch Europa und Deutschland erreicht. Typisch für die dritte Welt sind der Fokus auf Qualität aber auch optische Darstellung von Kaffee durch zum Beispiel Latte Art und das Design moderner Cafés. Es ist Teil eines modernen Lifestyles geworden.

Seit der dritten Welle wird sich auch mit Herkunft und Anbau der Bohnen viel mehr auseinander gesetzt. Auch die Schritte danach, also wie die Bohne zu uns kommt und vor allem das Rösten wurden überdacht und neu ausgerichtet. Große Metropolen haben nun zahlreiche Cafés mit eigener Rösterei. 

Und noch ein Thema ist in den Fokus gerückt: Fair Trade oder auch Direct Trade. 

Konsumenten sind bereit für bessere Qualität mehr zu zahlen und das ermöglicht auch eine bessere Entlohnung von Kaffeebauern. Fair Trade bei Kaffee ist aber auf jeden Fall ein riesen Thema für sich und vielleicht eine Idee für einen weiteren Blogpost.

Ein perfekter Flat White als Beispiel für Third Wave Coffee

Ein spannender Fact noch zum Abschluss: den Ausdruck “third wave coffee” hat Trish Rothgeb, eine der Direktorinnen beim us-amerikanischen Coffee Quality Institute, geprägt. Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Kaffeeindustrie und als anerkannte Q Graderin (ausgewiesene Profis in der Kaffee-Verkostung) ist sie eine echte Expertin in Sachen Kaffee.

Und was verbindest du mit Begriff “third wave coffee” ?

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