Woran erkennt man guten Kaffee?

Barista mit einer Tasse Kaffee mit Latte Art

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Kaffee ist ein alltägliches Getränk. Für viele von uns beginnt der Tag mit dem ersten Schluck und gleichzeitig fragen sich viele, woran man wirklich guten Kaffee erkennt. Wenn man sich in Supermärkten umsieht, trifft man auf Begriffe wie „Intensiv“, „Crema Gold“ oder „Barista Edition“. Hinter diesen Etiketten verbirgt sich jedoch oft kaum mehr als Marketing und sehr dunkle, einheitlich schmeckende Bohnen mit denen sich auch leicht Fehler in der Produktion kaschieren lassen. Guter Kaffee ist genau wie guter Wein vor allem eine Frage des Geschmacks. Aber es gibt auch klare Kriterien, die über Qualität entscheiden und diese schauen wir uns jetzt an.

1. Herkunft & Anbau: Qualität beginnt im Feld

Guter Kaffee beginnt nicht in der Rösterei, sondern im Ursprungsland. Die Kaffeepflanze ist ein Naturprodukt, das auf bestimmte klimatische Bedingungen reagiert. Die Art und Weise, wie sie angebaut, gepflegt und geerntet wird, hat großen Einfluss auf Geschmack und Qualität.

Zwei Sorten dominieren den Weltmarkt: Coffea arabica und Coffea canephora (oft nach einer ihrer Varietäten – Robusta – benannt). Arabica-Bohnen gelten allgemein als aromatisch vielfältiger und geschmacklich nuancierter, während Robusta eher kräftiger und weniger komplex ist. Das heißt allerdings nicht, dass Arabica die ”bessere” Bohne ist. Ihre Anbauweise ist allerdings anspruchsvoller und daher oft mit der Idee von Qualität verbunden.

Weltweit stammen heute etwa 60 % der gehandelten Kaffeemengen von Arabica-Pflanzen. Gerade in Spezialitätenkaffees dominiert diese Sorte, weil sie komplexe Geschmacksprofile ermöglicht. Canephora findet sich häufiger in Mischungen, die auf ein kräftiges Aroma und Crema setzen. Aber die Bohne ist auch im Specialty Coffee Segment auf dem Vormarsch.

Wenn auf der Verpackung Angaben zur Region, Höhe oder sogar zur Farm gemacht werden, ist das mehr als nettes Beiwerk. Diese Informationen signalisieren, dass die Rösterei sich mit der Herkunft auseinandergesetzt hat und nicht einfach standardisierte Bohnen in großen Mengen verarbeitet. Transparenz über Herkunft ist ein starkes erstes Qualitätskriterium.

Coffee Circle ist ein Beispiel dafür, dass Herkunft und Verarbeitung nicht nur Schlagworte sind, sondern Teil eines transparenten Handelns. Sie arbeiten mit klaren Angaben zum Ursprung ihrer Bohnen und pflegen direkte Beziehungen zu Produzent:innen.

Kaffeeanbau bei der Kooperative Women Coffee Extension in Ruanda

2. Röstung: Mehr als nur „dunkel“ oder „hell“

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Gleichsetzung von dunkler Röstung mit „stärkerem“ Kaffee und höherem Koffeingehalt. Das ist so nicht korrekt. Die Kaffeepflanze gibt den Koffeingehalt vor und dieser bleibt auch über die Röstung hinaus bestehen.  Ein Kaffee, der stark schmeckt, macht nicht “wacher” als einer der “dünn” schmeckt.

Die Röstung ist ein Prozess, bei dem die Bohne Hitze ausgesetzt wird, Aromen sich entwickeln, Zucker karamellisieren und Stärke in komplexe Verbindungen zerfällt. Die Röstgrade lassen sich grob einteilen in hell, mittel und dunkel, aber die Wirkung auf das Geschmacksprofil ist feiner, als diese drei Stufen. Grob kann man sagen:

  • Hell geröstet: Mehr Unterschiede in Aroma und für Profis ist hier sogar die Herkunft erkennbar, oft fruchtige oder blumige Noten
  • Mittel geröstet: Wird oft als balanciert oder ausgewogen bezeichnet. Es herrscht ein gutes Verhältnis zwischen Säure, Süße und Röstaromen.
  • Dunkel geröstet: Röstaromen dominieren und können Nuancen überlagern. Bitterkeit ist hier oft präsenter.

Viele industriell hergestellte Kaffees werden bewusst dunkler geröstet, um Bohnen aus unterschiedlichen Herkunftsländern zusammenbringen zu können und eventuelle Defizite in der Qualität zu kaschieren.

Röstmeister fühlt Kaffee in einer Rösttrommel
Handwerkliche Röstung durch sorgfältige Trommelröstung

3. Verpackungsinformationen verstehen

Wenn du dich fragst, woran man guten Kaffee im Regal oder online erkennt, lohnt es sich, die Packung genau zu lesen. Auch wenn vieles nicht einheitlich geregelt ist, können manche Informationen Orientierung geben.

Viele Kaffees tragen lediglich ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Dieses gibt dir keine verlässliche Information über Frische. Kaffee verliert nach dem Rösten kontinuierlich Aromastoffe, und ohne das Röstdatum weißt du nicht, wie alt die Bohnen tatsächlich sind. Du kannst aber von MHD grob zurückrechnen: Die meisten Supermarktkaffees geben eine Haltbarkeit von 2 Jahren an.
Ein Röstdatum hingegen zeigt dir exakt, wann der Kaffee frisch verarbeitet wurde und ermöglicht dir, realistische Erwartungen an Geschmack und Aromen zu setzen.

Wenn auf der Verpackung konkrete Angaben zu Land, Region, Ernte oder Aufbereitung stehen, ist das ein starkes Qualitätszeichen. Diese Angaben sind kein Selbstzweck, sondern spiegeln wider, wie transparent die Lieferkette ist. Eine bloße Angabe „100 % Arabica“ hingegen sagt dir nur, dass kein Robusta enthalten ist und nicht, wie qualitativ dieser Kaffee wirklich ist.

Manche Marken nutzen eigene Skalen („Intensität 5/10“, „Stärke 7“ etc.). Diese sind leider nicht genormt und dienen nur begrenzt als Orientierung. Sie können dir bestenfalls ein grobes Gefühl vermitteln, aber sie sind kein Indikator für Qualität.

Achte auf Aromaventile, luftdichte Beutel und keine transparenten Fenster. Licht und Sauerstoff sind Feinde frischer Aromen. Wenn solche Details fehlen, sagt das etwas über die Priorität aus, die dem Produkt eingeräumt wird.

Wenn du in einer ländlichen Umgebung lebst und keinen Zugang zu vielen kleinen Röstereien hast, können Online-Plattformen helfen. Roastmarket bündelt zum Beispiel diverse Röstereien an einem Ort und zeigt, welche Bohnen transparente Informationen liefern,  ohne dass man unzählige einzelne Shops durchsuchen muss.

4. Preis & Wert: Warum irgendwer immer den wahren Preis zahlt

Kaffee ist ein aufwändig hergestelltes Produkt. Die Kaffeekirsche wächst oft in entlegenen Hochlagen, bestenfalls von Hand geerntet, dann verarbeitet, sortiert und transportiert, bevor sie überhaupt bei der Rösterei – am anderen Ende der Welt wohlgemerkt – ankommt. All diese Schritte kosten Zeit, Ressourcen und Arbeit.

Wenn ein Kilopreis im Supermarkt bei 8,99 € liegt, ist schnell klar, dass irgendwo eingespart wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden die Personen, die diesen Kaffee im Ursprung anbauen und ernten, schlecht bezahlt und die Rohbohnen stammen aus einer umweltschädlichen Monokultur, die auf Masse ausgelegt ist und minderwertige Bohnen produziert.

Ein fair kalkulierter Kaffee enthält die Kosten für mindestens alle diese Aspekte:

  • Anbau und Pflege
  • menschliche Arbeitskraft
  • Logistik und Transport
  • handwerkliche Röstung
  • Verpackung

Die harte Wahrheit ist, dass ein Kaffee, der unter 20 € pro Kilo kostet nicht alle Aspekte berücksichtigt haben kann und irgendwo Einsparungen gemacht wurden.

Latte Art Kaffee

5. Geschmack: Du entscheidest, was dir schmeckt

Am Ende steht, wie dein Kaffee schmeckt. Und das bleibt subjektiv. Aber guter Kaffee hat mehr Aromen zu bieten als einfach nur Bitterkeit.

In Workshops erlebe ich oft, wie Teilnehmende aufblühen, wenn sie zum ersten Mal fruchtige, nussige oder schokoladige Nuancen bewusst wahrnehmen und verstehen, dass Kaffee “mehr als bitter kann”.

Guter Kaffee kann angenehm säuerlich, weich, süßlich oder würzig wirken. Bitterkeit ist nur ein Teil des Spektrums und kein Qualitätsmerkmal.

Fazit: Ein realistischer Blick auf Qualität

Guten Kaffee zu erkennen ist kein Geheimnis, sondern eine Fähigkeit, die mit Erfahrung und Informationen wächst. Wenn du beim nächsten Mal einkaufen gehst, denk an Folgendes:

  • Schau auf Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Röstdatum und Herkunftsangaben 
  • Verstehe, dass Röstgrad und Stärke nicht dasselbe sind wie Koffeingehalt
  • Behalte im Kopf, dass der Preis eine Rolle spielt 
  • Probier dich durch und finde dein Geschmacksprofil

Guten Kaffee erkennt man nicht an einem Label, sondern daran, dass er Herkunft, Verarbeitung und Handwerk spürbar macht.

Wenn du Lust hast, diese Kriterien gemeinsam praktisch anzuwenden und Unterschiede bewusst zu schmecken, sind meine Workshops der perfekte Rahmen dafür. 

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