Traum vom eigenen Café: Wie Tommy mit Mut und Leidenschaft Barista wurde

Das Bild zeigt das Café Il Barista Tommy Dee. Man sieht einen Teil der Theke und einige belegte und freie Sitzplätze im Erdgeschoss.

Wenn man beginnt sich damit zu beschäftigen, was man eigentlich gut kann und was einem Spaß macht, dann setzt man einen Prozess in Gange, den man nicht mehr aufhalten kann. Dass das Ergebnis Kaffee sein kann, hab ich selbst erlebt. Und ich war damit ganz offensichtlich nicht allein. Auch Thomas Dusha hat sich diese Fragen gestellt. Was mit Neugier begann, wurde zur Leidenschaft – und später zur Profession. Heute betreibt er ein eigenes Café in Menden im Sauerland.

Der Weg zum Barista 

Geboren wurde Tommy in Griechenland als Sohn albanischer Eltern. Früh war klar, dass Arbeit ein selbstverständlicher Teil seines Lebens sein würde. Schon mit 14 Jahren begann er während der Hauptsaison in der Gastronomie zu arbeiten. „Ich habe das aber nie gemacht, weil ich musste – ich mochte es einfach“, erzählt er. 

Mit 20 Jahren zog er nach Deutschland und arbeitete zunächst als Lkw-Fahrer, später als Lkw-Mechaniker. Es war ein solider Beruf – aber nicht das, was ihn innerlich erfüllte. Die Geburt seines Kindes wurde schließlich zum Wendepunkt. „Ich hatte mir vorher nie darüber Gedanken gemacht, was ich gut kann und was mir wirklich Spaß macht“, sagt Tommy. Als er dies dann tat, kam eine einfache Antwort dabei raus: Kaffee.

Tommy begann, sich intensiv mit dem Thema Kaffee zu beschäftigen und entschied sich schließlich, den nächsten Schritt zu gehen: eine Barista-Ausbildung. Nicht irgendwo, sondern in Rom, dem Herzen der italienischen Kaffeekultur. Bei Mixology Coffee absolvierte er ein zweieinhalb-wöchiges Training, das sowohl Theorie als auch Praxis umfasste. Die praktische Abschlussprüfung bestand er mit 11 von 10 Punkten, da er die erwarteten Aufgaben nicht nur korrekt und sauber, sondern auch unter der Mindestzeit erfüllte.+

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Café Il Barista Tommy Dee. Man sieht die Oberseite Kaffeemaschine mit weißen Tassen und direkt dahinter Tommy.
Tommy bei dem was er am liebsten macht: Kaffee.

Cafégründung in Menden

Die Eröffnung seines eigenen Ladens war für September 2022 vorgesehen. Aber Tommy war noch nicht zufrieden mit seiner Leistung, trainierte weiter und eröffnete schließlich zwei Monate später.

Die Räumlichkeiten, ein ehemaliger Dönerladen, mussten komplett umgebaut werden. Gemeinsam mit Freund:innen trug er etwa 2,5 Tonnen Bauschutt aus dem Laden in der Mendener Innenstadt. Die massive Bar wurde eigenhändig gebaut. Auch alle anderen Details der Einrichtung hatte Tommy sich genauso vorgestellt: “Ich habe viele Videos geschaut, viel recherchiert und mich dann für Backsteine und Pflanzen als zentrale Elemente, neben der Bar, entschieden.” 

Die Wahl, sich in Menden niederzulassen, war zunächst eine geschäftliche, da Tommys alter Chef ihn auf die Gewerbeimmobilie aufmerksam machte. Aber die Kleinstadt erfüllte auch die privaten Wünsche von Tommy und seiner Frau. „Wir wollten einen ruhigen Ort zum Leben und um unser Kind großzuziehen“, erzählt er. Nach 6 Monaten Pendelei sind Tommy und seine Familie dann ganz bewusst von Hagen nach Menden gezogen. Genau wie in ihrer Heimat in Griechenland – damals lebte er nahe dem Korinthischen Kanal, rund 70 Kilometer von Athen entfernt – ist es das ruhige und familiäre, was sie an Menden schätzen. “Ich liebe Menden, ich hab das Gefühl die Menschen umarmen einen hier. Wir wurden so herzlich willkommen geheißen.” ergänzt Barbara im Interview.

Das Bild zeigt Tommy und seine Frau Barbara Sie strahlen beide und Tommy hält sich einen Siebträger vor ein Auge.
Tommy und Barbara sind ein echtes Power Duo. An 6 Tagen die Woche stehen sie gemeinsam im Café.

Und genau diesen Vibe gibt Tommy auch zurück. Sein Café wurde schnell zu einem beliebten Treffpunkt. Wegen Tommy Gastfreundlichkeit und natürlich dem guten Kaffee. Ihm ist es wichtig, dass jeder Kaffee, der über die Theke geht, perfekt ist. Deswegen bereitet er zur Zeit auch noch jedes einzelne Getränk selbst zu. “Einmal hat mir ein Gast gesagt, dass dies der beste Irish Coffee ist, den er je in seinem Leben getrunken hat. Solche Momente sind einfach unbeschreiblich.”

Kaffeegenuss nach eigener Philosophie

In der Welt des Spezialitätenkaffees setzen viele Cafés auf helle Röstungen, blumige Aromen und fruchtige Säuren. Tommy geht bewusst einen anderen Weg. Sein Herz schlägt für kräftige, dunklere Röstungen – intensive Noten, viel Körper, wenig Säure.

„Die meisten Kaffees heutzutage sind sehr floral – das ist auch gut so, aber nicht jeder mag das. Ich wollte etwas, das meinem Geschmack und dem meiner Gäste entspricht.“ erklärt er. Gemeinsam mit der Rösterei Bonafade aus Mannheim entwickelte er deshalb seine eigene Mischung: den „Menden Blendissimo“.

Diese exklusive Hausmischung enthält 35 % Robusta, doch bitter schmeckt sie nicht. „Das Geheimnis liegt in der Röstung – sie ist dunkel, aber nicht verbrannt. Die Robusta-Bohnen bringen Struktur und Crema, ohne den Geschmack negativ zu beeinflussen.“

Das Bild zeigt ein Regal in dem Café Il Barista Tommy Dee in dem mehrere 250g große Packungen Kaffee stehen. Die Packungen sind schwarz und enthalten verschiedene Röstungen.
Neben der hauseigenen Röstungen „Menden Blendissimo“ bietet Tommy auch weitere Kaffees der Rösterei Bonafade an.

Die Entscheidung für die Rösterei in Mannheim fiel schnell. „Es war tatsächlich die erste Rösterei, die ich mir angeschaut habe, aber ich hatte ein sehr gutes Bauchgefühl und es hat alles gepasst – menschlich und geschmacklich. Ich wusste sofort: Mit dem will ich arbeiten.“

Und sein Lieblingskaffee? Morgens immer erstmal ein bis zwei Espressi. Und im Sommer dann am Nachmittag ein bis drei Espresso Freddo “– je nachdem, wieviel los ist.“

Zwischen Kaffeepreisen und Klimakrise

Wie viele in der Branche beobachtet auch Tommy die steigenden Preise im Kaffeesektor mit Sorgfalt. „Die Preise sind explodiert. Natürlich spielt das Klima eine Rolle – aber auch der Handel, die Börse, die gestiegene Nachfrage“, sagt er. Ein Freund aus Lateinamerika berichtete ihm, dass dort viele Kaffeebäume einfach nicht mehr abgeerntet würden. „Die Arbeit ist hart, körperlich fordernd, und oft schlecht bezahlt. Kein Wunder, dass es unglaublich schwer geworden ist Mitarbeitende für das Kaffeepflücken zu finden.

Für Tommy ist klar: Wenn Kaffee ein Genussmittel bleiben soll, muss sich die Wertschöpfungskette ändern – transparenter, fairer und nachhaltiger.

Das Bild zeigt eine Tasse Cappuccino mit perfekter Latte Art. Das Motiv ist ein mehrfach gefächerter Schwan mit einem kleinem Herz als Kopf.
Perfektion in jeder Tasse – nicht nur optisch.

Zukunftspläne: Rösten, Lernen, Wachsen

Tommy ist keiner, der stehen bleibt. Auch wenn er mit „Il Barista Tommy Dee“ bereits viel erreicht hat, blickt er nach vorn. Sein nächstes Ziel: selbst Kaffee rösten lernen. Er möchte den gesamten Prozess vom Rohkaffee bis in die Tasse verstehen und abbilden können.

„Ich will tiefer in die sensorischen Eigenschaften eintauchen. Wie verändert sich der Geschmack durch die Röstung? Wie kann ich noch präziser arbeiten?“ fragt er sich. Seine Neugier und Leidenschaft treiben ihn an.

Langfristig träumt er von einem Franchise-Konzept. „Vielleicht gibt es irgendwann ein zweites oder drittes Il Barista Tommy Dee. Es ist ein großes Ziel, aber ich finde es wichtig, eine Vision zu haben, bei dem was man tut.“ 

Was Tommy antreibt, ist nicht der Vergleich mit anderen. Es ist der Wunsch, seinen eigenen Weg zu gehen – im Einklang mit seiner Persönlichkeit, seinen Werten und seinem Geschmack. „Ich will mich nicht verbiegen. Ich will lernen, wachsen und meinen Gästen das Beste bieten, was ich kann.“

Diese Haltung spürt man in jedem Detail seines Cafés – von der handgefertigten Bar bis zur präzisen Latte Art. Es ist ein Ort, an dem Authentizität zählt und natürlich echter Geschmack.

„Il Barista Tommy Dee“ ist mehr als ein Ort zum Kaffeetrinken. Es ist ein Stück Lebensgeschichte – ein Ausdruck von Mut, Leidenschaft und Identität. Tommy hat gezeigt, dass man auch ohne klassischen Gastrohintergrund ein erfolgreiches Café führen kann – wenn man für das brennt, was man tut. Denn abschließend fasst Tommy unser Gespräch ganz simpel und doch so treffend zusammen: „Der beste Kaffee ist der, der dir schmeckt.“

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